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19.07.2019 23:37:59


 

Geschichte, Verkehr und Energie von Hüttwilen

 

Hüttwilen liegt zwar nicht einmal 10 Kilometer von Frauenfeld entfernt, doch die Thur war während langer Zeit ein grosses Hindernis. Zwar gab es bei Rohr eine Fähre über den Fluss, aber die häufigen Hochwasser verhinderten doch eine zu jeder Zeit mögliche Verbindung von Frauenfeld ins Seebachtal. Ob Hüttwilen wohl deshalb eher nordwärts über den Seerücken orientiert war, und es zum Teil heute noch ist? 1864 wurde die Fähre abgelöst durch eine Holzbrücke, die 1918 ersetzt wurde durch die noch heute bestehende Brücke. Dies war damals im Thurgau die erste Brücke aus armiertem Beton. Die Thur selber wurde im Zusammenhang mit grossen Korrektionsarbeiten in den Jahren 1874 - 1890 in ein enges Korsett gezwängt, von dem sie mehr als hundert Jahre später wieder etwas befreit wurde. “O Land, das der Thurstrom sich windend durchfliesst” gilt seit langem nicht mehr.

Täglich die Fähre benutzen musste der Postbote, der auf seinem Pferd von Frauenfeld nach Hüttwilen kam. Der berittene Postbote wurde 1860 abgelöst durch die Pferdepost, die zweimal pro Tag Briefe und Pakete nach Hüttwilen brachte. Der letzte Postillon, ein Bündner namens Boner, lenkte am 30. Juni 1920 die Postkutsche zum letzten Mal durch das Seebachtal. Am folgenden Tag traf das erste Postauto in Hüttwilen ein, das Frauenfeld mit Stammheim, teilweise mit Diessenhofen verband.

Aber es bestanden auch Bahnprojekte. Nachdem 1855 die Thurtallinie eröffnet war, sollten auch andere Teile des Thurgaus von den Segnungen der Technik profitieren. Auf einer Karte mit den Bahnprojekten ist eine Bahnlinie von Etzwilen via Stammheim, Hüttwilen, Frauenfeld bis Wil eingezeichnet und als “Projekt erster Dringlichkeit” klassifiziert. Nur von zweiter Dringlichkeit war eine Linie von Frauenfeld via Warth - Uesslingen nach Ossingen und eine solche von Frauenfeld via Herdern nach Steckborn. Zum Glück, kann man heute sagen, ist von allen diesen Projekten nur das Teilstück von Frauenfeld nach Wil verwirklicht worden.

Ein Telegrafenapparat wurde 1874 in Betrieb genommen; dazu brauchte es eine besonders ausgebildete Telegrafistin. Das Telefon kam gut 20 Jahre später. 1897 gab es in Hüttwilen für die fünf Abonnenten (Kalchrain, Steinegg, Kolonie Herdern, Schlatter im Adler und Wüger in der Sonne) eine Umschaltstation von der Zentrale in Frauenfeld. Als dann einige Telefonanschlüsse mehr bestanden, wurde in der Post eine eigene Zentrale eingerichtet.

Elektrischen Strom gibt es in Hüttwilen seit 1913. Es verging aber lange Zeit, bis alle Haushaltungen angeschlossen waren. Noch 1933 schrieb Emil Wüger in der Dorfchronik, dass noch viel Wasser den Seebach hinunter fliesse, bis die Mehrzahl der Häuser über Strom verfüge.

Auch die Wasserversorgung ist eine Errungenschaft des 20. Jahrhunderts. Vorher gab es die Brunnen, die von den Quellen in den Hinterweiherwiesen südlich der Kalchrainerstrasse gespeist wurden. 1901 wurde die Wasserversorgung in Angriff genommen. Diese Jahreszahl ist heute noch am Reservoir an der Guggenhüslistrasse zu erkennen Die Suche nach ergiebigen Quellen erwies sich jedoch als schwierig und kostspielig. Überraschenderweise kam dann 1930 die Meldung, dass bei Gemeindewerkarbeiten in der Riethaldenkiesgrube plötzlich aus dem Grund der Grube ein solch starker Wasserlauf getreten sei, dass die Arbeiter sich in Sicherheit bringen mussten. Woher das Wasser kam, wusste niemand, der Grundwassersee war noch nicht bekannt. Jedenfalls war damit das Wasserproblem gelöst, es musste nur noch ein Pumpwerk gebaut werden; dieses wurde dann 1938 errichtet. Nach der Fertigstellung der Wasserversorgung anfangs des 20. Jahrhunderts sollten die alten Brunnen entsorgt werden. Doch die Gemeindeversammlung sprach sich glücklicherweise mit deutlicher Mehrheit für deren Weiterbestand aus. Bis zur Erstellung der Wasserversorgung existierten zwei Feuerwehrweiher, der eine im Wald westlich des Guggenhüsli, der andere im Unterdorf südlich der Hauptstrasse. Beide waren durch den “Fürbach” verbunden. Sollte es im unteren Teil des Dorfes brennen, so konnte beim oberen Weiher eine Schleuse geöffnet werden und innert kürzester Zeit waren der Bach und der untere Weiher voll Wasser. Den unteren Weiher füllte man 1901 mit dem Schutt des abgebrannten Schulhauses auf.

Die meisten Riegelhäuser unseres Ortes stammen aus dem 19. Jahrhundert, ein kleinerer Teil aus dem 18. Jahrhundert, wobei in einigen Gebäuden ein älterer Kern vorhanden ist. Über dem Eingang zum Hauptgebäude der “Alten Sonne” ist die Jahreszahl 1497 zu finden. Dieses markante Gebäude war bis 1865 ein Gasthaus. Der auf der Ostseite angebaute niedrige Fachwerkbau wurde 1825 als Tanzsaal errichtet. Die “Neumühle” wird 1464 zum ersten Mal erwähnt. In einem Dokument von 1498 ist von einer “alten Mühle” und einem Mühlenweg die Rede. Vermutlich stand diese Mühle am Heldbach. Die jetzigen Gebäude der Neumühle stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Die Mühle war bis 1959 als Säge- und Getreidemühle in Betrieb.

Hüttwilen, im April 2005 Walter Helbling, alt Sekundarlehrer

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